Gemeinsame Katastrophenschutzübung in Gudensberg am 18.10.2026
Die Ausgangslage für die Übung bildete ein Meteorit, der im Raum Kassel einzuschlagen drohte. Das Szenario sah vor, dass der Meteorit beim Eintritt in die Atmosphäre in mehrere Teile zerbricht. Während größere Bruchstücke auf freiem Feld zwischen Deute, Dissen und Gudensberg niedergehen, treffen weitere Teile verschiedene Stellen im Gudensberger Stadtgebiet. Dort kommt es zu mehreren Schadenslagen, die von den Einsatzkräften parallel bewältigt werden müssen.
Der Bereitstellungsraum für die Übung befand sich auf dem Alten Sportplatz in Gudensberg. Dieser wurde durch das THW organisiert. Von dort aus wurden die einzelnen Einheiten zu den jeweiligen Einsatzstellen abgerufen. Um die Zusammenarbeit und das gegenseitige Kennenlernen zu fördern, wurden die Katastrophenschutzzüge für die Übung gemischt.
Einsatzstellen:
An vier Stellen im Stadtgebiet warteten unterschiedliche Herausforderungen auf die Einsatzkräfte.
Odenberg-Turm
Vom Odenberg-Turm aus wollten sich mehrere Schaulustige den Meteoriten anschauen. Teile des
Meteoriten schlugen jedoch in unmittelbarer Nähe des Turms ein und setzten den Treppenaufgang in Brand. Mehrere Personen waren daraufhin auf dem Turm eingeschlossen. Eine Person geriet in Panik, stürzte und war anschließend nicht mehr gehfähig.
Die Rettung der eingeschlossenen Personen stellte die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Dabei mussten die eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten und die Brandlage im Bereich des Turms berücksichtigt werden. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte vor Ort durch die Kradretter und die Drohnenstaffel aus Fritzlar, die das unwegsame Gelände nach Vermissten absuchte.
Firma Novus:
Auf dem Gelände der Firma Novus wurde ein Gefahrstoffaustritt im Bereich einer Siloanlage simuliert. Zwei Arbeiter hatten sich vor dem gefährlichen Stoff auf die Siloanlage gerettet, ein weiterer war unter einem Behälter eingeklemmt. Gleichzeitig wurde ein Brand im Bereich der Lkw-Verladung angenommen, bei dem zwei Personen vermisst wurden.
Die Einsatzkräfte mussten sich mit den Gefahren durch den ausgetretenen Stoff auseinandersetzen, Maßnahmen zur Brandbekämpfung einleiten und die Menschenrettung berücksichtigen. Unter Atemschutz gingen Einsatzkräfte in den betroffenen Industriebereich vor. Bei dieser Einsatzstelle waren besonders die unterschiedlichen Gefahrenlagen zu berücksichtigen.
Grundschule:
In der Grundschule hatten sich einige Schüler und Lehrkräfte der Astro-AG getroffen, um
den Meteoriten zu beobachten. Durch den angenommenen Einschlag kam es sowohl im Schulgebäude als auch auf einer angrenzenden Grünfläche zu einem Brand. Mehrere Personen galten als eingeschlossen. Zusätzlich fuhren besorgte Eltern mit ihren Autos auf das Schulgelände. Dabei wurde ein Verkehrsunfall simuliert, bei dem Personen in einem Pkw eingeklemmt waren.
Neben der Brandbekämpfung und der Suche nach eingeschlossenen Personen gehörte damit auch die technische Rettung aus dem verunglückten Fahrzeug zu den Aufgaben der Einsatzkräfte.
Hotel und Restaurant Hessischer Hof:
Auch in das Hotel und Restaurant Hessischer Hof schlug ein Meteoritenteil ein und löste einen Brand aus. Mehrere Personen galten als vermisst.
Unter Atemschutz suchten Einsatzkräfte das Gebäude nach den vermissten Personen ab. Vier Personen wurden im Verlauf der Übung über Steckleitern aus dem Gebäude gerettet. Die Einsatzkräfte mussten dabei die Suche im Gebäude und die Rettung über alternative Wege miteinander verbinden.
Gesamtlage:
Insgesamt waren rund 200 Personen an der Übung beteiligt. Dazu gehörten rund 122 Einsatzkräfte sowie sieben Personen in der Technischen Einsatzleitung (TEL). Die weiteren Mitwirkenden unterstützten unter anderem die Darstellung der verschiedenen Übungsszenarien. In den vier Szenarien wurden insgesamt 31 Verletzte dargestellt, die von Statisten simuliert wurden.
Die TEL koordinierte die Gesamtlage und wurde dabei durch Fachberater aus dem Sanitätsdienst, dem Technischen Hilfswerk, den Kradrettern sowie dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OLRD) unterstützt. Beteiligt waren außerdem die Katastrophenschutzzüge aus Gudensberg, Fritzlar, Niedenstein und Edermünde, das THW Fritzlar, der Malteser Hilfsdienst sowie das Deutsche Rote Kreuz mit den Ortsverbänden Felsberg, Borken, Gudensberg, Melsungen und Fritzlar (Sanitätszug Nord).
Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Einheiten und die Koordination durch die TEL funktionierten insgesamt gut. Wie bei jeder Übung wurden zugleich Punkte deutlich, an denen Abläufe weiter überprüft und verbessert werden können.
Das angenommene Schadensausmaß machte außerdem deutlich, wie schnell die verfügbaren Kräfte bei einer solchen Lage an ihre Grenzen kommen können. Bei einem vergleichbaren realen Ereignis wäre eine Erhöhung des Alarmstichworts und damit die Nachalarmierung weiterer Kräfte erforderlich gewesen.
Dass die Übung mehrere umfangreiche Schadenslagen gleichzeitig vorsah, war bewusst gewählt. Übungsszenarien werden häufig so gestaltet, dass die beteiligten Einheiten über einen längeren Zeitraum gefordert sind und unterschiedliche Aufgaben üben können. Die Übung bildet daher nicht zwangsläufig eins zu eins ab, wie viele Kräfte bei einem tatsächlichen Einsatz unter vergleichbaren Bedingungen erforderlich wären.
Abschluss und Danke:
Auch Vertreterinnen und Vertreter der Politik aus Gudensberg und Fritzlar waren vor Ort und konnten sich ein Bild von der Arbeit der beteiligten Kräfte machen. Ihr Besuch war ein Zeichen der Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement und die wichtige Arbeit im Katastrophenschutz.
Zum Abschluss der Übung kamen die Einsatzkräfte und Helfer zu einem gemeinsamen Mittagessen zusammen. Das Team der Feldküche der Feuerwehr Gudensberg kümmerte sich um die Verpflegung und servierte Nudeln mit Bolognesesoße. Dabei bot sich auch die Gelegenheit, die Übung und die einzelnen Einsatzszenarien noch einmal gemeinsam zu besprechen. In geselliger Runde konnten die Beteiligten den Übungstag ausklingen lassen und sich auch abseits des Einsatzgeschehens austauschen.
Die Feuerwehren der Stadt Gudensberg bedanken sich bei allen beteiligten Organisationen, Einsatzkräften und Unterstützenden für die Zusammenarbeit und die Mitwirkung an der gemeinsamen Übung. Gemeinsame Übungen helfen, die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg zu stärken, Erfahrungen zu sammeln und Abläufe für den Ernstfall weiterzuentwickeln.

